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Medusa ist eine Figur aus der griechischen Mythologie und war einst von betörender Schönheit, bis sie von der Göttin Athene in ein Ungeheuer mit Schlangenhaaren und glühenden Augen verwandelt wurde, dessen Anblick fortan jeden zu Stein erstarren ließ. Perseus – Sohn des Zeus und der Danaë – gelang es Medusa zu töten. Ausgestattet mit einem spiegelnden Schild von Athene (u.a.) war es ihm möglich, das Spiegelbild von Medusa zu erblicken und sie zu enthaupten, ohne zu Stein zu erstarren. Das „Haupt der Medusa“ von Rubens ist eines der erschreckendsten Werke, die das Schicksal von Medusa darstellen. Es zeigt ihr Haupt auf einem Felsen liegend, offenbar kurz nachdem es von Perseus abgeschlagen wurde. Die zahllosen noch lebenden Schlangen sind teils miteinander verschlungen, während das Blut aus dem Hals von Medusa strömt und der blaue Schimmer der bleichen Haut ihren Tod ankündigt. Ihr erschrockener, erstarrter und fast schon wahnsinniger Blick mit den weit aufgerissenen und verdrehten Augen lässt vermuten, welchen Schrecken Medusa zuletzt gesehen hat: Sich selbst im spiegelnden Schild von Perseus. Im Augenblick ihres Todes schien sie zu erkennen, wie schrecklich und grausam der Anblick ihrer selbst ist – m.E. ein bedeutender Moment der Selbstreflexion. Nach Auskunft des Kunsthistorischen Museums Wien erfüllte das Gemälde eine bestimmte Funktion, die über die reine Darstellung des Schicksals von Medusa hinausging: Durch das Betrachten des Schrecklichen – ähnlich wie Medusa – sollte der Betrachter die Kontrolle über seine Gefühle und Ängste erlangen, um entsprechend vorbereitet in realen schrecklichen Momenten stoische Gelassenheit und Ruhe bewahren zu können. Das Gemälde, das zeitgenössisch mit einem Vorhang verdeckt wurde, erzeugte offenbar tatsächlich jenes Gefühl, das es zu kontrollieren galt: Angst. Abbildung: Peter Paul Rubens u. Franz Snyders, Das Haupt der Medusa (um 1617/18), Öl auf Leinwand (68,5 x 118 cm) Kunsthistorisches Museum, Wien. ©KHM-Museumsverband @kunsthistorischesmuseumvienna #kunstgeschichteentdecken #wien

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Anlässlich des 380. Todestags von Peter Paul Rubens werfen wir heute nochmal einen genaueren Blick auf eines seiner Gemälde: Das sog. „kleine Jüngste Gericht“. Dieser Blick offenbart, dass das Gemälde zunächst vermutlich nicht als eine Darstellung des Jüngsten Gerichts geplant war. Denn eine heute noch sichtbare Fuge am Übergang zum halbrunden Bildabschluss – der sog. Lünette – weist darauf hin, dass dieser Teil des Gemäldes erst während der Ausführung hinzugefügt wurde. Der Engel am rechten Bildrand unterstreicht diese Vermutung: Er befindet sich direkt unterhalb der Fuge und schien dort zunächst als oberer Eckabschluss zu fungieren, um die Komposition an dieser Stelle abzuschließen. Interessant ist nun, dass die wichtigsten Figuren des Jüngsten Gerichts – Christus als Weltenrichter und Maria – ausschließlich innerhalb der Lünette zu finden sind: Denn ohne Christus und Maria wandelt sich das Gemälde zu einer Darstellung des sog. Höllensturz der Verdammten. Einem Höllensturz mit dem Erzengel Michael an der Spitze der Komposition, der die Verdammten in Richtung Hölle lenkt – ähnlich, wie ihn Rubens nahezu zeitgleich in einem anderen Gemälde ausführte. Ein Kupferstich von Jonas Suyderhoef nach diesem Gemälde untermauert diese Vermutung, da dieser nicht das kleine Jüngste Gericht zeigt, sondern den offenbar zunächst konzipierten Höllensturz der Verdammten. Daher kann durchaus davon ausgegangen werden, dass Rubens zunächst die Darstellung eines Höllensturzes der Verdammten plante und während der Ausführung die Posaunenengel am linken Bildrand hinzufügte. Damit legte er wiederum eine Veränderung des Bildthemas fest, was eine Erweiterung der Tafel erforderte, um den einstigen Höllensturz um das erforderliche Personal zu erweitern und zu einem Jüngsten Gericht werden zu lassen. Abbildungen: Peter Paul Rubens, Das kleine Jüngste Gericht (1621/22), Öl auf Holz (184,5 x 120,4 cm), Alte Pinakothek, München. Jonas Suyderhoef, Höllensturz der Verdammten, nach Rubens (1642), Kupferstich (o.M.), ohne Ort. @pinakotheken #kunstgeschichteentdecken #rubens

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