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Als „figura serpentinata“ (ital. „serpentinato“ für „schlangenförmig“) wird in der Malerei und Bildhauerei eine ausdrucksstarke und dynamische Komposition bezeichnet, die sich u.a. durch eine schlangenförmige, in sich gedrehte und nach oben strebende Bewegung auszeichnet. Die „figura serpentinata“ war bereits in der Antike bekannt und besonders in der Spätrenaissance und im Manierismus weit verbreitet. Sie wird sowohl für einzelne Figuren, als auch für ganze Figurengruppen genutzt und verleiht diesen bzw. dem gesamten Kunstwerk eine starke Dynamik, Bewegung und Dramatik. Ein antikes Beispiel hierfür ist die berühmte Laokoon-Gruppe: Die stark verdrehten und bewegten Körper Laokoons und seiner Söhne steigern die Dramatik und Dynamik im Todeskampf gegen die Schlangen der griechischen Göttin Athene enorm. Insgesamt lässt die „figura serpentinata“ einen enormen Variantenreichtum an Figurenformen und Körperhaltungen zu und verfügt über eine hohe Variabilität in der Darstellung des einzelnen menschlichen Körpers und der komplexen Verschachtelung mehrerer Körper ineinander – die Möglichkeiten sind nahezu unendlich. Mich persönlich beeindrucken dabei vor allem mehrfigurige Werke aus der Bildhauerei. Das Paradebeispiel: Der Raub der Sabinerin von Giambologna. Hier ist jede Einzelfigur für sich als eine „figura serpentinata“ dargestellt. Gleichzeitig ist jedoch auch das aus diesen drei Figuren bestehende Gesamtwerk als eine ebensolche „figura serpentinata“ komponiert – eine wichtige Feststellung für die Vielansichtigkeit dieser Skulptur und vieler weiterer: Sie muss von allen Seiten betrachtet werden, um sie zu verstehen. Abbildungen: Unbekannter Künstler (nach griech. Künstlern),
Laokoon (1. Hälfte des 1. Jhs. v. Chr.),
Marmor (184 cm),
Vatikanische Museen, Vatikanstadt.
Foto: Eigene Aufnahme.

Giambologna,
Raub der Sabinerin (1582),
Marmor (410 cm),
Loggia dei Lanzi, Florenz.
Foto: sailko / CC BY-SA 3.0

Peter Paul Rubens,
Das kleine Jüngste Gericht (um 1621/22),
Öl auf Holz (184,5 x 120,4 cm),
Alte Pinakothek, München.
CC BY-SA 4.0 @pinakotheken #kunstgeschichteentdecken #kunstgeschichte #kunst #bildhauerei #malerei

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Als Trompe-l’œil (frz. für „Täuschung des Auges“) werden vor allem Malereien bezeichnet, die u.a. durch geschickte Perspektivkonstruktionen und dem gekonnten Spiel mit Licht und Schatten die Illusion von plastischen und tatsächlich vorhandenen Motiven vortäuschen. Neben Gemälden profitieren vor allem Architekturen von einem Trompe-l’œil, welches als Wand- oder Deckenmalerei u.a. ganze architektonische Elemente vortäuschen und Räume größer wirken lassen kann. Als Scheinarchitektur erwecken sie hier z.B. die Illusion von vermeintlich vorhandenen Kuppeln oder eines sich in den Himmel öffnenden und um ein vielfaches höher wirkenden Kirchenraumes. Diese Beispiele beeindrucken umso mehr, wenn man auch das dafür notwendige künstlerische Können bzgl. der perspektivischen Verzerrung bedenkt: Denn oftmals sind die zu bemalenden Flächen nicht eben oder gerade, sondern gewölbt. Diese perspektivische Verzerrung muss vom Künstler in der Perspektivkonstruktion der Malereien bedacht und ausgeglichen werden, sodass eine etwaig tatsächlich vorhandene Wölbung der Fläche nicht mehr wahrnehmbar ist und z.B. eine gemalte Säule auf einer gewölbten Decke tatsächlich senkrecht erscheint. Noch schwieriger sind gemalte Kuppeln, deren Wölbung meist stärker ausgeprägt ist, als die Wölbung des Malgrunds. Bei Gemälden sind es hingegen oft einzelne Bestandteile, wie z.B. ein außerhalb des eigentlichen Bildraumes gemalter Vorhang oder ein über die Tischkante und vermeintlich aus dem Bildraum herausragender Teller eines Stilllebens, die als Trompe-l’œil fungieren können und so reale und gemalte Wirklichkeit miteinander verschmelzen lassen. Abbildungen: Andrea Pozzo, Die Apotheose des hl. Ignatius (nach 1685), Fresko (o.M.), Sant'Ignazio di Loyola in Campo Marzio, Rom. CC BY 3.0 / Sailko Andrea Pozzo, Deckenfresken in der Jesuitenkirche Wien (o. J.), Fresko (o.M.), Jesuitenkirche, Wien. CC BY-2.5 / Alberto Fernandez Fernandez Willem Claesz. Heda, Stillleben mit einem bronzenen Bierkrug (1634), Öl auf Holz (44,5 x 62 cm), Rijksmuseum, Amsterdam. #kunstgeschichteentdecken #kunstgeschichte #malerei #architektur #kunst #wissen #geschichte

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